Joachim
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oder: es muß nicht immer Leder sein. Bei unseren Pagoden, sofern serienmäßig mit einem Innenfutter aus Kunstleder versehen, steht eine neue Innenausstattung an. Der Zahn der Zeit. Das in Ehren ergraute und mit einer eigentlich schönen Patina versehene MB-Tex muß erneuert werden. In diesem Fall ist das neue Bezugsmaterial der Wahl natürlich das aus heutiger Sicht edlere Leder. Ist doch klar. Wirklich? Ich meine: Nein! Ja, ja, die MB-Tex Ausstattung war Standard und eine Lederausstattung mußte mit einem Aufpreis von immerhin 800 DM (MERCEDES-BENZ Preisliste Nr. 3 für Sonderausstattungen Personenwagen vom 11. Mai 1964) erkauft werden – einer Unsumme in einer Zeit, in der ein ganzer VW Käfer 4000 DM kostete. Damit scheint der Beweis erbracht, die mit Leder ausgeschlagenen Pagoden seien die Premiummodelle(fürchterliches neudeutsches Wort) und die MB-Tex Pagoden seien ärmliche Fahrzeuge gewesen, deren Käufer sich eine Lederausstattung nicht leisten konnten. Aber: wer sich damals eine Pagode leisten konnte (Grundpreis 20.600 DM, Preisliste wie vor) verfügte über derartig großzügige finanzielle Mittel, daß ein Aufpreis für eine Lederausstattung sicherlich nicht der Grund war, die Pagode mit MB-Tex zu bestellen. Vielmehr galt meiner Meinung nach eine Kunstlederausstattung damals als viel praktischer sportlicher jugendlicher und damit moderner als das Naturmaterial Leder, dem doch eher der Ruf des opahaften, altväterlichen und damit rückständigem anhaftete. Für die älteren Forumsmitglieder: Ich darf hier an den Film „Die Reifeprüfung“ erinnern, in dem der Schwiegervater von Dustin Hoffmann, nachdem letzterer sein Abitur abgelegt hatte und nicht wußte, was er beruflich machen sollte, diesem zur Berufswahl mitteilte: „ Junge, ich sage nur ein Wort: Kunststoff“ . Eben der damalige tolle Zeitgeist. Ein Beispiel: machmal habe ich die Möglichkeit, eine der schönsten Runabaouts, die je gebaut worden sind, zu fahren – eine 66er (gleiche Bj.wie meine Pagode) Riva Ariston. Carlo Riva baute bekanntlich in den 50ern und 60ern Holzboote, die in ihrer Schönheit und Qualität nicht zu überbieten und unermeßlich teuer waren und die für jeden Playboy, der auf sich hielt, ein unbedingtes „Must“ darstellten. Hierzu als Anhang ein wunderbarer Artikel aus der ebenso wunderbaren Zeitschrift „Mare“. Und womit waren dieses Boote ausgeschlagen? Natürlich mit Kunstleder. Und das in den verücktesten Farben. Und dieses Material war selbstverständlich nicht aus Gründen der Kostenersparnis gewählt worden, sondern weil es den Zeitgeist widerspiegelte. Genau wie unsere Pagoden. Daher mein Appell: rettet die MB-Tex Pagoden und rettet damit den Zeitgeist!
Mit MB-Tex Pagodengrüßen aus Köln
Joachim
http://www.riva-club.de/pdf/mare_2002_print.pdf
Mit MB-Tex Pagodengrüßen aus Köln
Joachim
http://www.riva-club.de/pdf/mare_2002_print.pdf
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