Die bekam ihr Fett weg...
frohe Ostern ins Forum!
"Freuet euch, das Grab ist leer", das feiern wir im christlichen Abendland heute mit der Auferstehung von Jesus Christus.
Auch andere "Höhlen" sind in den letzten Monaten leer geworden:
Nach einer vorbereitenden Eisstrahl-Aktion durfte, wie in diesem Thread schon öfter diskutiert und angedeutet, der alte Schweden-UBS unter meinem SL weichen und förderte den seit damals konservierten Ist-Zustand zutage. Ein Unterfangen, das gewisse Spannung erzeugte: "Was kommt am Ende unter Fett und Straßenasche zum Vorschein?"
Die Katastrophe oder die "Erlösung"?
Was aus der bis dahin bekannten Fahrzeughistorie nachvollziehbar war und Hoffnung machte, hat sich - analog zur Osterbotschaft - im Großen und Ganzen bestätigt: Eine gute Basis für ein neues Leben mit offenen Karten (bzw. im Fall W113: transparentem Unterboden).
Den Anfang machten bei der Überarbeitung der gereinigten Flächen nun die hinteren Radhäuser, hier konnten in dem Zuge auch die Instandsetzungsarbeiten aus Beitrag #80 anständig versiegelt werden. Rost war nur ansatzweise in der bisher unbehandelten Originalsubstanz anzutreffen und konnte gezielt beseitigt bzw. so gut wie möglich behandelt werden. Die in der Vergangenheit durchgeführten Schweiß oder Rostschutzmaßnahmen wurden sichtbar - bisher versteckten sie sich unter dem schwarzen UBS, der übrigens weitgehend gute Dienste leistete und alles gut verdeckte und schützte - aber eben ohne Kontrollmöglichkeit.
Da es mir ein Anliegen war, den original unbeschädigten MB-UBS zu erhalten, wurde in diesem Bereichen nur drum herum gearbeitet und Beschichtungen und Lackierung entsprechend angeglichen. Immer mit der Maxime: nur substanzerhaltend instandsetzen, nicht komplett restaurieren. So bleibt die Geschichte am Auto gut sicht- und nachvollziehbar. Positiver Nebeneffekt: künftige Problemzonen sind bis auf Weiteres unterbunden.
Prinzipielle Vorgehensweise und von mir verwendete Materialien nach dem Reinigen:
1. UBS und Falzversiegelung überall dort lösen und entfernen, wo Rostunterwanderungen sichtbar sind.
2. Entferung alter Reperaturgrundierungen
3. Sorgfältige chemische Entrostung aller blanken Bereiche mit Pelox RE.
4. Flutung der Falze mit Owatrol Öl
5. Grundierung in annhäherndem Originallfarbton mit Brantho Korrux 3in1 als aktivem Rostschutz.
6. Beschichtung mit Sikaflex in möglichst authentischer Spritz- oder Pinselstrich-Struktur.
7. Überlackierung in Wagenfarbe bzw. schwarzem Srühnebel im Schwellerbereich.
(Ein 8. Schritt mit Wiederherstellung einer - diesmal hochtransparenten - Wachsversiegelung erfolgt nach abschluß aller "Untenrum-Arbeiten").
Die Motivation dabei: man lernt sein Wägelchen und die technischen Methoden im damailgen Karosseriebau sehr praktisch kennen und verstehen bzw. einen Schritt zu verbessern. Dabei helfen auch jegliche Fotos und Filme aus dem Netz von garantiert original erhalten anderen Fahrzeugen. Z.B. den kleinen Schaumstoffstreifen, der original in der Ecke Seitenwand-Endpitze/Heckblech aufzufinden ist, konnte ich auf diese Weise wieder ins Dasein rufen. Die sich dabei ergebenden Problemchen und Aufgaben sind willkommene spannende und entspannende Tätigkeitsfelder für alle Praktiker unter uns. Und am Ende freut man sich einfach über den Lohn der mitunter mühsam geduldigen Arbeit beim Blick in die Radhäuser und unters Auto. Und noch dazu: es fühlt sich gut an, die Fahrzeugsubstanz in den sonst eher unsdurchsichtigen Bereichen zu kennen und keine bösen Überraschungen fürchten zu müssen.
Ich hoffe, ihr habt viel Spaß bei der wie gewohnt nun folgenden Bildfoge vorher/nachher und scheut euch nicht davor, dass eurer alten Damen auch mal "das Fett ab" bekommen.
Bildfolge #30: Äußerer Unterboden Mitte/hinten und Radhaus hinten
Weitere Details aus den vorderen Radhäusern und dem Spritzwandbereich folgen demnächst - hier kommen derzeit die Saisonarbeiten zum Abschluß.
Beste Grüße,
Stefan